Beschreibung
Ausgangssituation Das Wetterprojekt Schneeberg ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Projektträger des Freistaates Sachsen für die Wismut-Altstandorte (Wismut GmbH) und dem Sächsischen Oberbergamt. Die Federführung hat das Sächsische Oberbergamt. Für die wettertechnischen Planungen und die baubegleitende radiologische Überwachung der Wetter sowie der Gebäudemessungen und anderweitigen Überwachungsmaßnahmen ist die Arbeitsgemeinschaft Wetterprojekt Schneeberg GbR durch den Auftraggeber gebunden. Diese setzt sich zusammen aus den Ingenieurbüros Taberg-Ost und dem Bergtechnischen Ingenieurbüro Geoprax sowie der Abteilung ASU (Strahlenschutz- und Umweltbewertung) der Wismut GmbH zusammen. Ziel des Wetterprojektes ist die Unterbindung bzw. Minderung der Radonzutritte aus dem Grubengebäude in Gebäude unter Berücksichtigung der Grundsätze des Strahlenschutzes. Dabei soll flächenhaft die von der Grube ausgehende Radonexposition der Bevölkerung von Schneeberg dauerhaft, möglichst umfassend und mit größtmöglichem Effekt verringert werden. Insbesondere soll mit dem Wetterprojekt Schneeberg die von der Grube ausgehende Radonmigrati-on im bergbaulich beeinträchtigten Untergrund hin zu den Häusern unterbunden bzw. möglichst stark reduziert und damit die unmittelbare grubenbedingte Radonbelastung in den Häusern gesenkt werden. Daneben sollen durch das Wetterprojekt Schneeberg auch diffuse Freisetzun-gen von Radon aus dem Untergrund, insbesondere aber auch unkontrollierte Radonaustritte an den im gesamten Stadtgebiet vorhandenen ehemaligen Tagesöffnungen und bergbaulich be-anspruchten tagesnahen Gebirgsbereich unterbunden bzw. verringert werden. Die radioaktiven Auswürfe sind unter Berücksichtigung des Strahlenschutzrechtes zu optimieren. Das Stadtgebiet von Schneeberg ist stark vom historischen Bergbau geprägt. Die Stadt selbst entwickelte sich mit und auf dem Terrain des stattfindenden Silber- Kobalt und Wismutberg-baus. Dieser Bergbau hinterließ eine enorme Vielzahl von Tagesöffnungen und tagesnahen Grubenbauen. Dieser historische Gangerzbergbau, der in mehreren Abbauepochen ab etwa 1450 insbesondere über den Stadtberg und über Neustädtel ging, wurde von 1947 bis 1956 durch die SAG Wismut auf der Suche nach Uranerz bergmännisch geöffnet, untersucht und partiell genutzt. Die Auffahrungen des jüngeren Uranerzbergbaus zogen weitere Gebirgsauflo-ckerungen nach sich. Im Laufe der Zeit aktivierten sich alte Bruchzonen, frühere Tagebrüche und alte längst verges-sene Tagesöffnungen, die außer zu den Standsicherheitsproblemen mit den bekannten Aus-wirkungen im Bereich der Tagesoberfläche zu einer grundsätzlichen Intensivierung der Ra-donmigration im überprägten Gebirge führten und letztendlich zu einer Erhöhung der Radonbe-lastung innerhalb der Bebauung von Schneeberg beitrugen. Hierbei bildeten sich intensive Wechselwirkungen zwischen dem alten Bergbau und den über Tage liegenden, eingeebneten Halden aus. Die Situation im Stadtgebiet von Schneeberg mit den extrem hohen partiellen Ra-donkonzentrationen in der Grubenluft und damit auch in den Gebäuden ist in ihrer hohen Dichte und Intensität einmalig in der Welt. Vergleichbare Situationen in einer urbanen Landschaft sind nicht bekannt. Das Wetterprojekt startete physisch nach sehr umfangreichen und jahrelangen Vorbereitungs-leistungen im Jahre 2021 mit bergtechnischen Arbeiten der Phase 1 im nördlichen (zentralen) Teil der Lagerstätte. Im Wetterprojekt Schneeberg wird eine gezielte Unterdruckbewetterung zur Unterbindung des Radontransportes aus der Grube an die Tagesoberfläche eingerichtet. Zur Kontrolle und Steuerung dieses Prozesses erfolgen immissions- und emissionsseitige Mes-sungen. Emissionsseitig werden zeitaufgelöste Messungen an den Standorten der Grubenlüfter (Abwetterstandorten) durchgeführt, wobei für eine Funktionskontrolle und Überwachung des Systems eine hohe Auflösung erforderlich ist. Das Messintervall beträgt hierbei 10 Minuten. Innerhalb eines Jahres werden so an den Lüfterstandorten ca. 11 Mio. Messwerte und andere Daten generiert. Immissionsseitig werden bei zeitaufgelösten Messungen im Intervall von einer Stunde Messwerte abgelegt. Pro Jahr fallen dabei an etwa 120 Messstellen ca. 13 Mio. Da-tensätze zur Auswertung an. Der Automationsgrad bei der Datenerfassung und Verarbeitung ist noch gering und ein Auslesen der immissionsseitigen und zum Teil der emissionsseitigen Messungen erfolgt manuell vor Ort. Aufgrund der Vielzahl der bereits vorhandenen Messstellen und der noch größtenteils händischen Erfassung ist die Datenerhebung mit einem hohen personellen und zeitlichen Aufwand verbunden. Die Datenhaltung erfolgt dezentral auf verschiedenen Systemen und in verschiedenen Formaten. Im Rahmen des Monitorings und der Berichterstat-tung müssen diese anfallenden großen Datenmengen verarbeitet, ausgewertet und interpretiert werden. Diese Auswertung und Interpretation ist mit einem entsprechend hohen zeitlichen Auf-wand verbunden. Darüber hinaus liegen große Mengen an Alt-Daten vor, welche aus vorangegangenen Projekten in das Wetterprojekt überführt und ausgewertet werden müssen. Im Rahmen des Projektes werden große Datenmengen erhoben. Diese Daten fallen in unter-schiedlicher Form und unterschiedlichen Zyklen an. Im Wesentlichen sind dies Zeitreihendaten aus aktiven, kontinuierlichen Messungen, welche zur Prozessüberwachung, der Überwachung von Richtwerten und der Berichterstattung notwendig sind. Stamm- und Objektdaten sind erforderlich, um diese Zeitreihen in den erforderlichen Kontext zu setzen (Messort, Messbedingungen) und enthalten auch personenbezogene Daten. Das Sächsische Oberbergamt (OBA) beabsichtigt daher die Vergabe eines Auftrages zur Lie-ferung, Anpassung, Administration eines Softwaresystems zur Verwaltung von Messdaten aus dem Bereich der Überwachung der natürlichen Radioaktivität und anderer relevanter Daten, welche im Rahmen des "Wetterprojektes Schneeberg" anfallen. Weitere Angaben: siehe Leistungsbeschreibung